Kontroverses


Nicht zum Täter werden – Pädophilie …



Eine Gesellschaft, die bestimmte Menschen, allein dafür dass sie eine bestimmte Neigung haben, direkt am nächsten Baum aufknüpfen will, trägt durch das Tabu, das sie auf diese Weise kreiert, eine große Mitschuld daran, wenn diese Pädophile dann zu Tätern werden. Unser Urteil über diese Menschen, ist mit der Grund warum sie zu Tätern werden. Jemand der diesem Trieb verfallen ist traut sich natürlich sehr viel seltener, bereits zu einem frühen Zeitpunkt oder generell Hilfe zu suchen, wenn er sieht, dass ihm solch ein Klima entgegen schlägt und er den Eindruck hat, dass nichts und niemand bereit ist, sein Dilemma zu erkennen.


„Ein Gutmensch ist jemand, der nach außen hin demonstriert, wie gut er doch ist. Damit ist er genau das Gegenteil eines wahrhaft guten Menschen. Dieser nämlich tut einfach Gutes und schert sich nicht darum, ob jemand es sieht, ob er Dank erhält oder gar von anderen guter Mensch genannt wird. Er tut das Gute, weil es richtig ist und basta.“

Werner Braun

Das Thema Pädophilie wird unglaublich kontrovers diskutiert, und ich habe den Eindruck, es wird auch auf gewisse Weise missbraucht. Und zwar von den Menschen, die es benutzen um sich ihrer Umwelt gegenüber zu profilieren, um anderen zu zeigen dass sie ja so viel besser sind, als diese Pädophilen, als all jene, die verabscheuungswürdige Taten begehen. Von den Menschen, die sich selbst als ausschließlich gut begreifen und dafür ständig diejenigen brauchen, die sie im Kontrast dazu, eben darum um sich selbst als ausschließlich gut begreifen und vor anderen darstellen zu können, als das Böse hinstellen. Dabei scheinen sie nicht zu erkennen, dass kein Mensch nur gut oder nur böse ist. Außerdem scheinen sie sich selbst nicht zu fragen, warum sie sich selbst und anderen ständig beweisen müssen, dass sie gut sind. Genauso wenig scheinen sie sich die Frage zu stellen, wie gut denn ein Mensch überhaupt sein kann, der das so sehr nach außen kehrt und so ein Bedürfnis hat, dass er sich selbst und andere auch bloß als gut begreifen. Also ich fürchte so ein Mensch begreift sich selbst, ob bewusst oder unbewusst, nämlich als alles andere als gut. Ich hab mittlerweile sogar eine Art Abneigung in diese Einteilung „Gut und Böse“ entwickelt. Was mich daran stört ist, dass man in dieser Bewertung des Guten immer die anderen braucht, die ja angeblich so und ausschließlich böse sind. Ich hab in meinem Leben Dinge erlebt, die mir gezeigt haben, dass in absolut jedem Mensch beides steckt. Und wenn die Umstände dementsprechend sind, jeder zu allem fähig ist. Auch zu den schlimmsten Taten.

"The Healing" 
In Acryl selbst gemaltes Bild, welches Heilung anregen soll.

Ein wahrhaft guter Mensch hat eher Nachsicht, nicht im Sinne des Akzeptierens des angeblich Bösen, sondern im Willen des Verstehens und Nachvollziehens des Bösen, um diesem zu helfen auf seinem Weg zum wahrhaft Guten. Aber das Gute wird eben oft sehr falsch verstanden. Ein guter Mensch verurteilt eben nicht und muss sich selbst und andere nicht ständig beweisen wie gut er ist. Natürlich kann es auch nicht richtig sein, das Falsche oder Verirrte, ich bevorzuge es so zu nennen, statt das Sinnbild des ewig Bösen zu verwenden, einfach zu tolerieren. Nur wird man diese Verirrung, auf dem Weg zum Guten, schonmal keineswegs aufheben, wenn man immer nur das Symptom einsperren oder sogar vernichten will, statt den Grund zu verstehen wie, in diesem Fall, die Tragödie des Pädophilen entstehen konnte. Auch ein Pädophiler ist nicht nur gut und nicht nur böse. Ein Pädophiler ist selbst in einer absoluten Tragödie gefangen, denn man sucht sich einen Trieb nicht aus. Der Pädophile hatte nicht die freie Wahl darin, ein Pädophiler zu sein. Er ist selbst in gewisser Weise Opfer dieses Triebes.


Denken ist schwer, darum urteilen die Meisten.

Carl Gustav Jung

Derjenige, der erkannt hat, dass der Mensch nicht einzig und allein gut ist und in jedem Mensch beides angelegt ist, hat die Möglichkeit der bewussten Wahl zwischen dem Einen oder dem Anderen. Der Pädophile wiederum hatte nicht die Möglichkeit seinen Trieb zu wählen. Keiner von uns hat sich bewusst das ausgesucht was ihn sexuell anmacht. Dies ist festgelegt in unseren Trieben. Bei dieser Erkenntnis scheinen aber nicht die angekommen, die sich zu selbst ernannten Pädophilen-Jägern, auf Youtube beispielsweise, gemacht haben, indem sich Erwachsene auf Chats wie Knuddels einen Account machen, um sich dort als junge Mädchen oder Jungs auszugeben, um dann in ihren Videos ihren Zuschauern zu beweisen, was für „ach so tolle Menschen“ sie doch sind. Für mich ist so jemand genau das Gegenteil. Wenn einzig und allein der Pädophile selbst in Aktion getreten ist, diesen Fake-Account des angeblich jungen Mädchens anzuschreiben, obwohl nein nicht mal dann finde ich, hat so eine Falle ihre Berechtigung. Denn dieser Fake-Account war von Beginn an eine Falle. Diese selbst ernannten Pädophilen-Jäger scheinen gar nicht zu erkennen, dass der Pädophile ohne sie vielleicht nie zum Täter geworden wäre. Der Pädophile, der sich in solchen Chats herumtreibt, ist ja allein deswegen noch kein Täter. Ich hatte mir mal überlegt, dass man das Problem der Pädophilie, vielleicht dann zumindest ein klein wenig eindämmen und auch weniger zu einem Tabu machen kann, wenn man eine legale Plattform erschaffen würde, auf der Erwachsene Menschen sich freiwillig dazu bereit erklären, dort Fotos von sich aus ihrer Kindheit hochzuladen. Denn hätten Pädophile eine Möglichkeit, sich auf legale Weise solche Fotos oder auch Videos zu beschaffen, dann würden sie vielleicht viel weniger zu illegalen Mitteln greifen müssen. Das ist auch wieder eine Sache, die vor allem die nicht zu verstehen scheinen, die Pädophile am nächsten Baum aufgeknüpft sehen wollen, allein dafür, dass diese diesem Trieb ausgeliefert, allein dafür dass sie Pädophile sind, ohne zum Täter geworden zu sein. Wie oft hab ich schon solche Äußerungen gehört: „Ich bin gegen die Todesstrafe, die einzige Ausnahme wären Pädophile.“ „Pädophile sollte man am nächsten Baum aufhängen.“ Das Wort Pädophilie soll ursprünglich nicht mal die Bedeutung haben, wie es heute verwendet und verstanden wird. Wenn die Menschen verstehen, dass der Trieb eines Menschen eine unheimliche Macht über ihn hat und dass niemand sich seinen sexuellen Trieb ausgesucht hat, dann könnte man vielleicht gemeinsam als Gesellschaft versuchen Kinder zu schützen, indem man Pädophilie anfängt zu verstehen und den Pädophilen nicht zu einer Bestie erklärt, sondern zu einem Mensch, der unter einem großen Dilemma zu leiden hat. Es bräuchte mehr Verständnis für diese Menschen, damit sie sehen, dass wir bereit sind ihnen eine Hand zu reichen. Menschen, die sich dieses Themas angenommen haben, wissen das schon längst, aber irgendwie scheint das nicht in der Gesellschaft anzukommen. Würde sich an mich ein Mensch wenden, in der Hoffnung, dass ich ihm irgendwie helfen kann, der für sich erkannt hat pädophil zu sein und Angst hat zum Täter zu werden, und er bittet mich darum ihm genau dabei zu helfen eben nicht zum Täter zu werden, also ich hätte kein Problem mit diesem Mensch. Ich würde das sogar als sehr mutig von ihm empfinden. Genauso wie ich kein Problem hätte mit einem Pädophilen, der schon zum Täter wurde, dies nun bereut und Angst hat wieder zum Täter zu werden und alles in seiner Macht stehende tun wollte, um es nicht nochmal zu werden. Und an die Menschen, die das hier vielleicht lesen und da so gar kein Verständnis für haben, weiter unten, ich werde das später hier verlinken, kannst Du eine sehr traurige Geschichte nachlesen, die Dir vielleicht das Dilemma näher bringt, in denen viele Pädophile stecken. Aber auch ohne diese Geschichte, steckt der Pädophile schon allein deswegen in einem Dilemma, weil er sich diese Vorliebe, diesen Trieb nicht bewusst aussuchen konnte. Im nächsten Abschnitt wird es aber zunächst erst noch um jene gehen, die zu noch viel unglaublicheren Taten fähig sind.


Ab“gründe“ – haben Gründe

Das Folgende ist eventuell nichts für zartbesaitete, zu denen ich mich übrigens selbst zählen würde.


Ich hab mich schon immer für die Abgründe der Menschheit interessiert. Nicht weil ich Menschen, die die schlimmsten Dinge tun feiere und glorifiziere, sondern weil ich mich immer fragte, wie kann es so weit kommen, dass ein Mensch diese Grenze überschreitet? Dazu muss ich erwähnen, dass ich denke, dass der Mensch nur Rechte besitzen sollte, statt dass man Gesetze gegen den Menschen ausruft, und dass es wenn, dann nur ein einziges Gesetz braucht, für die Menschen, die die Gesetzmäßigkeiten gegenüber ihren Mitmenschen, in den uns von Geburt an gegebenen Menschenrechten nicht erkennen. Dieses eine Gesetz wäre: „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu.“ Dieses Gesetz beinhaltet alles, das es braucht im Zusammenleben von Menschen. Ich bin mir sicher, die meisten kennen diesen Satz. Und ich hab mich immer gefragt, wie kommt es dazu, dass es Menschen gibt, die sich für sich selbst das Recht herausnehmen anderen Dinge anzutun, die sie selbst nicht erleben wollen würden?
Ich hatte und habe schon immer diese Faszination für das Überschreiten dieser Grenze gehabt, weil diese Grenze für mich selbst etwas ist, die ich mir nicht mal im Entferntesten vorstellen könnte zu überschreiten. Denn jeder sollte doch für sich erkannt haben, dass bestimmte Dinge einfach heilig, ja Gesetz sind. Und als oberstes Gesetz, das Leben anderer zu achten. Nichts in der Welt könnte rechtfertigen, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. Obwohl mir da, ehrlich gesagt, gerade schon einige Fälle in den Kopf kommen. Sterbehilfe und solche Geschichten. Würde ein mir geliebter Mensch in einer ausweglosen Situation sein, weil er z.B. unter unerträglichsten Schmerzen in einem langen Sterbeprozess, möglicherweise aufgrund einer schrecklichen Krankheit, gefangen ist und er würde mich verzweifelt um Hilfe bitten, ihm diese Schmerzen zu nehmen, indem ich ihm helfe diesen Sterbeprozess abzukürzen und sterben zu dürfen, dann würde ich es als meine Pflicht ansehen, diesem mir geliebten Menschen dabei zu helfen, dieses unerträgliche Leid, diesen unerträglichen Schmerz zu beenden, wenn am Ende von ihm sowieso der Tod steht. Ich war noch nie in dieser Situation. Deswegen weiß ich nicht, wie leicht mir das fallen würde. So wie ich mich kenne, würde es mir wohl sehr schwer fallen dies zu tun, aber ich finde, ich müsste jedenfalls alles geben um ihm seinen Wunsch zu erfüllen, auf welche Weise auch immer. Ich müsste es zumindest versuchen. Vor einiger Zeit gab es doch nachts diesen Radiotalk „Domian“. Durch diese Talkshow bin ich emotional in Berührung mit diesem Thema gekommen und habe mich gefragt, was ich tun würde? Denn dort hat mal ein verzweifelter junger Mann angerufen, der genau sowas gerade durch machte, wie ich etwas weiter oben beschrieb. Er erzählte, dass er eine seltene, immer tödliche Krebsart hat. Dass das schlimme an dieser Krebsart wäre, dass wenn diese an einem bestimmten Punkt angekommen ist, sie unerträglichste Schmerzen bedeutet, die ab diesem Punkt dann aber auch auf keine Schmerzmittel mehr ansprechen, nicht mal mehr Morphium. Er ist jetzt an diesem Punkt angekommen, sein Sterben wird sich noch lange hinziehen und er erträgt es aber nicht mehr. Sein größter Wunsch ist es, sterben zu dürfen. Dieser Wunsch wird ihm aber nicht erfüllt, weil aktive Sterbehilfe in Deutschland verboten ist. Assistierte Sterbehilfe liegt in einer Grauzone. Der Anruf damals hat mich sehr aufgewühlt und sehr berührt. Ich hab mir für diesen Jungen echt gewünscht, dass er jemanden findet, der ihm dabei helfen wird zu sterben. Ich hab mich auch gefragt, warum die Eltern das nicht tun? Aber okay, welche Eltern könnten das, die meisten würden wohl bis zuletzt hoffen, dass noch ein Wunder passiert. Aber nun zurück zum eigentlichen Thema, bzw. einen weiteren kleinen Abstecher um dann wieder zum eigentlichen Thema zu kommen.


Kannibalismus


Wenn ich sage, dass das Leben heilig ist und niemand das Recht hat, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen oder es ihm zu versauen, dann meine ich natürlich nicht solche Fälle, wie gerade beschrieben. Es gibt Menschen, die achten ihr eigenes Leben aber nicht. Es gibt Menschen, die haben solch tiefe Abgründe in sich, dass sie sogar davon träumen sie würden verschwinden. Und da kommt mir der Fall „Der Kannibale von Rotenburg“, begangen durch Armin Meiwes an Bernd Jürgen Brandes in meine Erinnerung. In Bezug auf das vorhin erwähnte einzige Gesetz, das es meiner Meinung nach braucht und von dem ich glaube, das es reichen müsste, könnte man hier sogar behaupten, dass Meiwes nichts Unrechtes getan hat. Er hat Brandes nichts genommen was er nicht verlieren wollte und nichts angetan, was dieser nicht wollte. Ich hab mir den Fall sehr genau angesehen, auch von Seiten der involvierten Psychiater und Psychologen. Auch in diesem Fall liegt eine unglaubliche Tiefe und ungeheure Tragik. Derjenige, der sich genau mit diesem Fall befasst hat, könnte zu der Ansicht kommen, dass alles was dort geschah aus Liebe passierte. Das ist ja das Unglaubliche und Unfassbare an diesem Fall. Mir hat aber nicht nur diese, sondern viele der ungeheuerlichsten Taten, der für die meisten ungeheuerlichsten Fälle gezeigt, dass solche Taten durch ein ganz bestimmtes Monster entstehen. Dem Monster: Abwesenheit von Liebe, wie ich es nenne.

Und wenn ich das sage, dann meine ich damit nicht, dass die Tat dadurch entschuldigt oder dem Täter die Verantwortung abgenommen wird. Ich versuche immer nur zu verstehen, wie es so weit kommen kann. Denn wenn man das versteht, dann kann man vielleicht ein wenig dagegen angehen, als Gesellschaft. Oder es würde einfach schon reichen, wenn mehr Verständnis für die Gründe, die zu solchen Taten führen, in unserem Denken ankommen würde. Und hier auch wieder nicht um den Täter zu glorifizieren oder die Opfer zu vergessen. Das Böse hat seine Berechtigung, und zwar einzig auf dem Weg zum Guten. Es macht keinen Sinn, diese Täter als etwas hinzustellen, was sie nicht sind, nämlich Monster. Vor allem, werden solch schreckliche Taten durch die Tabuisierung derselbigen, des „nicht-verstehen-Wollens“ sogar noch unterstützt.


„Gott weiß, dass ich es nicht heuchlerisch finde zu sagen, dass ich so gut, wie ich eben kann, Mitleid empfinde. […] Es ist ein Urteil für jemand anderen, der heute nicht hier steht. Ich werde also für diese Taten gefoltert, dafür leiden und die Schmerzen dafür ertragen, aber ich werde nicht die Bürde und die Schuld dafür auf mich nehmen. Das ist alles, was ich zu sagen habe.“

Ted Bundy

Meiwes hatte eine sehr dominante und auch extrem besitzergreifende Mutter, von der er sich nicht emanzipieren durfte und konnte. Sie torpedierte jede seiner Beziehungen zu anderen Frauen, so dass er am Ende immer wieder alleine dastand. Der einzige ihm „nahe“ stehende Mensch war die Mutter. Er war ein Mensch, der sich zutiefst ungeliebt und wohl auch unterdrückt fühlte. Sein „Opfer“ Brandes (Gleichgesinnter, statt Opfer würde hier viel besser passen) hatte den tiefsitzenden Wunsch „zu verschwinden“, da er genauso wie Meiwes, nicht in Liebe, sondern in der Abwesenheit von Liebe aufwuchs und deswegen sogar einen tiefsitzenden Selbsthass ausbildete, der ihn dahin führte, sich seine Auslöschung bildlich, sehr fantasiereich und als die Erlösung vorzustellen. Die meisten Menschen, so auch ich, zumindest damals noch, stellen sich jemand wie Meiwes, der sich Menschen einverleiben will, als absolutes Monster vor. Als ich mich aber eingehend mit diesem Fall beschäftigte, hab ich erkennen müssen, dass Meiwes alles andere als ein Monster ist. Sondern dass er die Abwesenheit von Liebe, in der er aufwuchs, in sich als das wahre Ungetüm empfand. Sie ist das Monster in ihm. Wahre, echte, bedingungslose Liebe ist wunderschön. Aber die Abwesenheit von genau dieser, kann wohl gefühlt, zu einem wahrhaftigen Grauen werden, die größte Qual von allen, da der gequälte zum Quälenden werde kann. Da hör ich schon wieder die, die dann sagen: „Ja jeder erlebt schlimme Dinge, auch ich habe schlimme Dinge erlebt, trotzdem renn ich nicht los oder habe das Bedürfnis Menschen abzuschlachten. Und das mag ganz bestimmt stimmen. Ich hab auch hier eine Theorie. Wenn ein Mensch auch noch so grauenvolle Erlebnisse durch die eigenen Eltern in der Kindheit hatte, kann dies aber aufgefangen werden, wenn es nur einen Menschen im Leben dieses Unglücklichen gibt, der ihm doch auf irgendeine Weise spiegelt liebenswert zu sein. Ein einziger Mensch, dem er in irgendeiner Weise wichtig ist. Denn meiner Meinung nach entstehen solche Abgründe, wie bei Meiwes und Brandes in der wirklich absoluten Abwesenheit jeglicher Form der Liebe und Zuwendung. Meiwes hatte durch die Erfahrungen in seinem Leben unglaubliche Verlustängste entwickelt. Seine Mutter hatte ihn emotional wohl schon immer verlassen, und diese Mutter hat aber auch immer wieder dazu geführt, dass er verlassen wurde. Seine Idee sich einen Menschen einzuverleiben, entstand vor allem durch diese Verlassens-Ängste. Er stellte sich vor, einen Menschen immer bei sich zu haben und niemals mehr verlieren zu können, wenn er diesen isst, da er diesen danach für immer in und bei sich trägt. Dieser Mensch würde ihn niemals mehr verlassen wollen und können und wär sein ständiger Begleiter. Man sieht, dass das Motiv weniger abscheulich war, als man auf den ersten Blick meinen würde. Da könnte man schon fast von einer kindlichen Naivität im Denken sprechen. Das meine ich gar nicht abwertend. Vor allem aber ist dieser Wunsch nichts als zutiefst traurig. Dieser Mensch wollte jemanden ganz nah bei sich spüren und sicher gehen, dass dieser Mensch ihn niemals mehr verlässt. Was eine unglaubliche Tragik. Natürlich ist das schrecklich und ich würde das selbstverständlich niemals jemandem wünschen. Mir nicht und allen anderen auch nicht. Auch Meiwes hätte ich niemals gewünscht sich so zu fühlen. Aber ich kann seine Entwicklung und seine Gedankengänge zumindest nachvollziehen. Wenn man sich eingehend mit diesen beiden Menschen beschäftigt, dann kann man nicht anders, zu erkennen, was beide dazu trieb, und das die Monströsität in dem liegt, wozu die Abwesenheit von Liebe einen Menschen treiben kann. Denn wenn ich eins weiß, der Mensch, der sich absolut ungeliebt fühlt und auch der, der sich selbst nicht lieben kann, diese beiden Extreme liegen wohl sehr nah beieinander oder sogar zwingend zusammen, macht keinen Halt und sucht so lange, bis er dieses Defizit auflöst. Nur machen viele den Fehler, im Außen nach dieser Liebe zu suchen, statt sich nach Innen zu wenden. So schön wahre Liebe auch ist, eben da wo sie anwesend ist, so schmerzlich und unter Umständen entstellend ist sie da, wo sie eben absolut nicht ist. Es gibt Menschen, für die gibt es dann keine Rettung, wenn sie in so einem gnadenlosen „Klima“ aufwuchsen. Bei Meiwes und Brandes könnte man wirklich meinen, dass sie sich gegenseitig Rettung bedeuteten. Zumindest dachten die beiden das voneinander und haben das wohl in dem Moment der Tat so empfunden. Bzw. haben sie es in jedem Fall so empfunden bis zum Moment der Vollendung der Tat. Denn die eigentliche, wirkliche Rettung hätte wohl eher ganz anders ausgesehen. Nämlich im sich selbst Erkennen. Meiwes wollte jedenfalls einen Menschen, aus Liebe zu diesem und der Liebe dieses Menschen zu ihm, in sich aufnehmen. Ich glaube das war der Gipfel seiner Vorstellung, dass sein „Opfer“ sich ihm freiwillig hingibt, womit es dann ja eigentlich kein Opfer mehr wäre. Dieser und andere Fälle, haben mir jedenfalls aufgezeigt, das wenn man genauer hinsieht, manche derer, die uns immer als die Monster schlechthin präsentiert werden und die wir uns von ihren Taten her, auch immer nur als solche vorstellen, aus wirklich zutiefst tragischen, traurigen Umständen zu solchen Tätern werden. Dass der wahre Täter oder Anstifter dieser Taten „die Liebe/Abwesenheit der Liebe“ ist. Und dass diese Menschen, die aus ihrem „Opfer-sein“ heraus zu tragischen Tätern des Unvorstellbarsten wurden, weniger Monster, sondern viel mehr sich zutiefst ungeliebt fühlende Menschen sind und „diese Abwesenheit von Liebe“ wahre Abgründe in diesen Menschen erschuf. Es ist diese extreme und schreckliche Tiefe der Abwesenheit von Liebe, die sie zu diesen Taten antreibt.


In der Welt fallen mir Menschen auf, so Weise, so gefestigt, so wissend, so authentisch, dass ich mir einfach nicht vorstellen kann, dass sie das in einem einzigen Leben erreicht haben können.

Quelle unbekannt (?) 😉

Sehr interessant fand ich aber auch die andere Seite: Sein „äqui-/ambi“valentes Gegenstück: sein Opfer Bernd Brandes. Dessen ultimative Fantasie war, dabei zuzusehen, wie erst sein Penis und dann er selbst verspeist wird. Seiner eigenen Auslöschung beizuwohnen. Er stellte sich diese als das höchste der Gefühle vor. Und Brandes war im normalen Leben jemand, der so unauffällig und normal wirkte, wie man es sich nur vorstellen kann. Er war nichts anderes als die Vorstellung seiner Eltern, die wohl auch nicht zu wahrer Liebe fähig waren, denn sonst hätte ihr Sohn mehr sein dürfen, als nur die Vorstellung dieser Eltern. Diese aber unterdrückten sein wahres Selbst so sehr, das Brandes anfing das zu hassen, was seine Eltern vielleicht unbewusst auch schon hassten. Eltern haben eine Macht über Kinder, die einfach grauenvoll sein kann. Es gibt ja nicht wenige, die meinen, man würde einem Menschen ansehen, wenn er zu solchen Taten fähig ist oder heimgesucht wird von „monströsen“ Phantasien: Brandes wirkte nicht im entferntesten wie jemand, von dem Menschen, wie jene, die erwarten, man würde einem Menschen sein „abnormes“ Denken/Verhalten ansehen. Er wirkte so normal wie jemand nur wirken kann. Das ist etwas, das ich irgendwie beängstigend finde, wenn ein Mensch im wahrsten Sinne des Wortes normal erscheint und am fatalsten, wenn er es tatsächlich ist. Für Brandes war seine innere Vorstellung der eigenen Auslöschung aber höchstes Glück und ich glaube sogar, innerer Frieden. Zumindest in seiner Fantasie.


Ich fand sehr interessant, die Reaktionen der Psychiater, Psychologen, ich glaube da waren auch Ermittler dabei, als diese sich die Aufnahmen von Meiwes ansahen. Dieser hatte die Tat ja gefilmt. Sie sahen auf den Aufnahmen gerade dabei zu, wie Brandes verblutete. Er war bereits entmannt und das was ihm entfernt wurde hatte sozusagen den Besitzer gewechselt, indem Meiwes .. na ich schreib es mal lieber nicht aus. Seine ultimative Fantasie war umgesetzt und er wartete nur noch darauf, dass der Tod eintritt. Dabei sah er alles andere als glücklich aus. Er wirkte so gar nicht so, wie man es erwarten würde, wenn gerade die ultimative Fantasie eines Menschen umgesetzt wird. Sondern im Gegenteil wirkte er, als würde ihm langsam aber sicher etwas dämmern. Und dabei sahen der Psychiater, Psychologe usw. zu. Was mich so berührte und ich so nicht erwartet hätte damals, denn die Menschen, die sich diese Aufnahmen da gerade ansahen, sind ja die, die den Täter überführen und dabei mithelfen werden ihn zu verurteilen. Aber auch für den Täter hatten sie so ein tiefes Mitgefühl. Es ist viele Jahre her, dass ich mich mit diesem Fall intensiv beschäftigte. Aber ich weiß noch, wie sehr mich das berührt hat, dass die Menschen, die vor diesen Aufnahmen saßen, die man als Gerichts-Psychiater und Ermittler immer nur so präsentiert bekommt, als wäre ihre einzige Aufgabe Schuld zu suchen, zu verurteilen und die Schuldigen zu verdammen, so bemüht waren, das alles zu verstehen und so gar nicht verurteilend, sondern als fühlten sie sogar mit und sehen genauso wie ich damals, nur die Tragödie dieser beiden Menschen. Und in diesem Moment , saßen sie vor diesen Aufnahmen, Brandes in tiefem Mitgefühl dabei zusehend wie das Leben ihn immer mehr verlässt und plötzlich sagte einer von ihnen, zumindest sinngemäß: „Jetzt realisiert er es.“


Was realisierte Bernd Brandes auf seinem Weg in den Tod? Auf dieser Reise kümmerte sich Meiwes übrigens aufopferungsvoll um den Mann, dessen größten Wunsch er erfüllt, genauso wie Brandes ihm seinen größten Wunsch erfüllt hatte. Ich denke beide mussten schmerzlich erkennen, was die Tragik umso monströser erscheinen lässt, dass ihre ultimative Fantasie, die jeder der beiden für sich hatte, der Realität nicht stand hält. Genau das soll ja auch die Motivation vieler Serien-Killer sein: Sie jagen einer Fantasie einer Erwartung hinterher, die sie sich in ihrem Kopf ausgemalt haben, und bei jeder Tat müssen sie erkennen, dass sie nicht exakt dem Gefühl nahe kommt, welches sie erwarteten zu haben, bei dieser Tat. Sollte es jemand besser wissen, kann er mich gern berichtigen. An dieser Stelle möchte ich nochmal hinzu fügen, dass ich solche Taten nicht verherrliche, Täter nicht glorifiziere und ich denke, dass den Opfern mindestens genauso viel Beachtung und noch mehr Verständnis gebührt als den Tätern. Nur wird man die schrecklichsten Taten niemals verhindern, bzw. zumindest eindämmen, wenn man nicht versucht zu verstehen, wie sie entstehen. Solche Taten scheinen sich aus einem ungeheuren Schmerz heraus zu entwickeln. Meiner Meinung nach liegen sie in diesem System begründet, welches die Welt an sich riss. Denn komischerweise kennt man solche Art Täter nicht aus Naturvölkern. Da scheint keiner seinen Mitmenschen nach dem Leben zu trachten. Höchstens trachtet ein Stamm aus Kannibalen gemeinsam den Mitgliedern anderer Stämme nach dem Leben😏, aber untereinander passiert das nicht. Jedenfalls ist mir das noch nie untergekommen in meinen Recherchen. Das System in dem wir leben, hat aber wirklich fast komplett den gesamten Erdball an sich gerissen, bis auf scheinbar wirklich winzige Ausnahmen. Denn mir fällt gerade ein, dass ich mir dessen eigentlich auch erst sicher sein könnte, wenn ich die gesamte Welt bereist hätte. Unsere Gesellschaft scheint aber Individuen hervor zu bringen, die innerhalb dieser Gesellschaft anderen nach dem Leben trachten. Und da ich mit jener Gesellschaft, die innerhalb dieses weltumspannenden Systems meine, ist es eine weltumspannende Gesellschaft. Wenn man den Medien glauben kann, denn leider konnte ich mich noch nicht selbst davon überzeugen, dazu müsste ich die gesamte Welt bereisen. 😉 Im nächsten Abschnitt geht es wieder um das eigentliche Thema.


Solltest Du jemand sein, der zu denen gehört, die Pädophile am nächsten Baum hängen sehen wollen, allein dafür dass sie Pädophile sind. Allein dafür, dass sie erkennen mussten, dass sie diesen Trieb ausgebildet haben, der unauslebbar ist, dann hast Du vielleicht noch nie über folgende Dinge nachgedacht:

Dass jeder, der dazu neigt andere so scharf vor zu verurteilen, sich vielleicht einfach mal in die Lage desjenigen begibt. Das hab ich mal getan, aus dem Grund schreib ich das hier alles überhaupt. Ich hab mir vorgestellt, wie es für einen Pädophilen sein muss, eben genau das zu realisieren: pädophil zu sein. Zu erkennen, dass man den Wunsch hat sich mit Kindern sexuell zu vereinigen. Als ich mir vorstellte, ich müsste das für mich erkennen, war ich entsetzt, geradezu verzweifelt. Und ich glaube, die meisten Menschen, die realisieren, dass sie so dermaßen aus der „Norm“ fallen, dass es unvereinbar ist mit dem gesellschaftlich akzeptierten Leben, die können nur zutiefst verzweifelt sein. Es mag da wenige Ausnahmen geben und das sind auch genau die, wo es bei mir dann auch langsam und aber wirklich zu Ende ist mit dem Verständnis und Mitgefühl. Ich bringe Verständnis und Mitgefühl auf, und sehe die Tragödie, das Dilemma derer, die sich wie niemand von ihnen, diesen Trieb aussuchten, verzweifelt sind und alles versuchen nicht zum Täter zu werden. Ich bringe dasselbe auch für diejenigen auf, die vielleicht schon zum Täter wurden, dann aber erkannt haben wie falsch ihre Tat war, deswegen nie wieder zum Täter werden wollen, und sich Hilfe suchen. Also ich kann für jeden von ihnen Mitgefühl und Verständnis aufbringen, wenn sie erkennen, welches Leid ihr Trieb für Kinder bedeutet. Wo es bei mir aufhört mit dem Verständnis sind diejenigen unter ihnen, die dem Kind auch noch die ganze Verantwortung für ihre Tat aufbürden oder selbst wenn sie noch nicht zum Täter wurden, so lange sie so ein Denken verinnerlicht haben, dass Kinder das auch noch wollen würden oder sie sogar dazu animieren, nee sorry. Da hört es dann auch bei mir auf. In diesem Bezug muss ich nämlich an eine Art Doku denken, wo mit solchen Menschen geredet wurde und da waren welche bei, die waren ernsthaft davon überzeugt, dass 3- und 4-jährige Kinder sie zu der Tat animiert, verleitet und verführt hätten. Was da für Sätze fielen, das war echt unerträglich mit anzuhören. Für denjenigen der seinen Trieb dann auch noch in gewisser Weise verleugnet und allein dem Kind in die Schuhe schieben will, dass er tat was er tat, habe ich leider kein Verständnis mehr. Diese Menschen scheinen nicht zu verstehen, dass ein Kind noch gar meine Vorstellung von solchen Dingen hat und schon in der Unschuld eines Kindes begründet liegt, dass es aber ganz gewiss keine Hintergedanken hat und es nicht die Verantwortung dafür trägt, was der Täter in die Blicke und Bewegungen des Kindes hinein interpretiert. Bei solchen Pädophilen fürchte ich ist auch Hopfen und Malz verloren. Jemand der sich selbst so verleugnet und allen anderen, vor allem dem Kind(!!!) die Schuld gibt, ich fürchte da wird niemals ein Einsehen statt finden. Trotzdem: dieses Tabu, das dieses Thema umgibt sorgt dafür, dass derjenige der pädophil ist, sich absolut ausgeschlossen und ausgegrenzt aus der Gesellschaft derer fühlen muss, die den Großteil dieser Gesellschaft auszumachen scheinen. Nämlich die, die nicht so viel hinterfragen, sich gern fremd bestimmen lassen, auch in ihrem Denken. Durch dieses absolute Tabu, ist der Pädophile sozusagen gezwungen, auch nicht 1 Sekunde in Erwägung zu ziehen, er könnte jemals verstanden werden, er könnte jemals in dieser Gesellschaft offen mit seinem Trieb umgehen. Denn ich bin nicht pädophil und doch weiß ich von klein auf, welches Klima diesen Menschen entgegen schlägt. Wäre ich pädophil hätte ich in dieser Gesellschaft wahnsinnige Angst, dass das jemals heraus kommen könnte. Ich kann irgendwie gar nicht glauben, dass das so wenige nachvollziehen können, wie solch ein Mensch sich fühlen muss. Aber dadurch dass er sich so fühlt, ist ihm der Zugang zu dieser Gesellschaft verwehrt, woran wir wiederum als Gesellschaft Schuld sind, aus nun bereits mehrfach genannten Gründen. Deswegen ist er gezwungen dazu, sich auf die Suche nach Gleichgesinnten zu machen. Er wird sich auf die Suche nach den Menschen machen müssen, von denen er sich verstanden und angenommen fühlt, denn wir versuchen sein Dilemma ja nicht zu verstehen. Er wird suchen und finden, und zwar diejenigen, die all das schon hinter sich haben, was er gerade angefangen hat bei sich zu erkennen. Er wird die finden, die unter sich sind, allein gelassen mit ihrer so schrecklichen, grauenvollen Erkenntnis und selbstverständlich versuchen Wege zu finden mit ihrem Trieb umzugehen. Da sie aber unter sich sind, und das Gefühl haben, sie können sich nur Gleichgesinnten offenbaren, ist es nicht verwunderlich, dass da eine gefährliche Dynamik entstehen kann, in dieser Gruppe, die nur aus Gleichgesinnten besteht, die alle diesem Trieb ausgeliefert sind.


Wenn dann in diesem Zusammenhang der Mensch, der diesen Trieb an sich erkennt, eben weil der Pädophile keine Chance sieht, jemals zu dem „anerkannten Teil“ der Gesellschaft zu gehören, der aus denen zusammen gesetzt ist, die sich selbst als die einzig Anzuerkennenden wahrnehmen. Jene, die so gern verurteilen, sich für die einzig Guten halten und das Gute so definieren: Ich bin gut, weil ich das Böse, das ich nicht bin, erkannt habe um das Böse, das ich nicht bin, allen anderen offensichtlich zu machen, indem ich mit dem Finger auf es zeige, um es der Verdammnis preiszugeben und auf der anderen Seite wiederum allen anderen demonstriere, wie einzig und allein gut ich doch bin und alle die sind, die denken wie ich. (Frag mich, wieso überhaupt so viele Menschen zu denen gehören wollen. Und da kommt mir auch gerade ein sehr interessanter Gedankengang, nämlich der Teil der Gesellschaft bestehend aus denen, für die es dann wohl auch bestimmte Medien und Zeitungen gibt, nämlich die, die dieses verurteilende Denken noch unterstützen, nämlich indem sie aus Menschen, die auf beiden Seiten (Opfer und Täter) Tragödien durchleben Monster machen, ob der Teil dann nicht sogar bestimmte Dinge verdient hat zu erleben, nämlich damit sie die Chance haben ihr Denken zu ändern. Eine Frage, keine Feststellung.) Was ich aber eigentlich sagen wollte: Diese Ausgrenzung und das nicht Erkennen und Nachvollziehen wollen des Dilemmas solcher Menschen,…

(und das kann man ja nicht nur auf die beziehen, die dem Trieb der Pädophilie ausgeliefert sind, sondern auf alle, die einem Trieb ausgeliefert sind, der Leid für Mitmenschen bedeuten kann)

… hat zur Folge, das weniger Taten verhindert werden können. Meiner Meinung nach sollte man mit Menschen, die einen Trieb an sich entdecken, der Leid für andere bedeuten kann, ganz anders umgehen. Man sollte den Trieb als das erkennen was er ist. Nämlich keine freie Wahl. Und dementsprechend dann mit diesen Menschen umgehen. Ihnen eine Hand reichen um ihnen zu zeigen, dass man ihr Dilemma erkannt hat.

Vielleicht sollte man überhaupt erst am Ende seines Lebens anfangen zu urteilen über sich selbst und über andere, wenn man andere und auch sich selbst denn überhaupt verurteilen sollte? Damit meine ich wieder einmal nicht, dass man alles gutheißen, alles tolerieren sollte. Jemand, der Pädophile allein dafür am nächsten Baum hängen sehen will, diesen Trieb an sich erkannt zu haben, ohne Täter geworden zu sein, war wohl auch noch nie in folgender Situation, die ich als wahrhaft grauenvoll empfand, die mir aber auch eine bestimmte Erkenntnis offenbarte:

Denn ich musste in meinem Leben, als sehr junger Mensch noch, eine Erfahrung machen, die mir geradezu bewies, dass jeder Mensch zum Täter der schlimmsten Taten werden kann. Zumindest bis zu einem gewissen Punkt. Zumindest der Mensch, der noch ganz weit davon entfernt ist, zu wissen wer er wirklich ist. Bis zu dieser Erfahrung war ich zwar schon ein eher mitfühlender Mensch, aber es gab eine Grenze. Ich war damals auch noch in einem eher verurteilenden Denken gefangen. Und zwar verurteilte ich diejenigen aufs Schärfste, die in meinen Augen, die schlimmste und für die meisten unverständlichste Tat vollbracht hatten, die die Menschheit sich nur vorstellen kann. Ich werde da jetzt nicht weiter drauf eingehen, um welche Tat es sich handelte, aber der Eine oder Andere, wird es sich vielleicht schon denken können. Dieser Blog ist erst ganz am Anfang. Ich möchte erst mal sehen, welche Menschen hier her finden. Aber es kann gut sein, dass ich irgendwann mal erzählen werde was genau ich da erlebt habe. Schon allein für die Menschen, die wie ich damals, denken, sie sind ganz allein damit und können sich auf keinen Fall jemand anvertrauen, weil es eben so ein Tabuthema ist. Dazu müsste ich aber wahrscheinlich meine gesamte Geschichte aufschreiben. Von der ich aber schon häufiger annahm, dass sie es wert wäre, ein Buch drüber zu schreiben. Ich hab allerdings angefangen ein Fantasy-Buch zu schreiben und auf diesem sollte meine Priorität liegen. Jedenfalls weiß ich, weil ich damals etwas erlebte, das ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde, dass wir alle zu den absolut schlimmsten Taten fähig sind. Und das seltsame ist. Ich hab schon damals eigentlich sehr viel Verständnis gehabt. Hab die Gründe für viele Dinge erkennen oder damals zumindest bereits erahnen können, aber es gab eine Tat, die war so unverständlich für mich, dass ich den Tätern solch einer Tat wohl wirklich den Tod wünschte. Denn ich war mir sicher, um solch eine Tat zu vollbringen muss man einfach ein wahres Monster sein. Ja und dann erlebte ich etwas, das mich auch hier komplett umdenken ließ. Denn das was ich damals, als sehr sehr junge Frau noch erlebte, zeigte mir, das absolut jeder von uns zu jeder Tat fähig ist, wenn wir nur in die dementsprechenden Umstände geraten. Vor allem, wenn wir in eine Situation geraten, in der wir unser Leben und /oder das anderer, aber vor allem das eigene Leben, als mit Sicherheit bedroht wahrnehmen. Wenn wir in dieser Situation in Panik und Todesangst verfallen, eben weil wir die Situation empfinden, als wäre sie eine unmittelbare Bedrohung unseres Lebens. Jetzt würde wohl der eine oder andere Leser sagen: „Ja selbstverständlich sind wir in der Lage zu töten, wenn wir selber in Todesangst sind, wenn wir unser eigenes Leben bedroht sehen.“ Das Problem damals war nur, dass ich eine Situation von einer Sekunde auf die andere als lebensbedrohlich wahrnahm, die ich bis dahin nicht so einschätzte und die eigentlich kein Mensch, oberflächlich betrachtet, als lebensbedrohlich empfinden würde. Eine Situation, in der man uns immer suggeriert, wir hätten einzig und allein vor Glück zu zerfließen. Ich verfiel von jetzt auf gleich in eine Panik, die ich meinem schlimmsten Feind nicht wünschen würde und fühlte mich wie ein Kaninchen in der Falle. Ich fühlte mich, als könne ich mich nur, durch die Flucht nach vorn aus dieser Lage befreien. Was mir durch dieses Erlebnis aber auch klar wurde ist, dass es Situationen im Leben geben kann, wo wir uns wie fremdgesteuert fühlen, als hätten wir absolut die Kontrolle über unseren Körper verloren. Genau so fühlte ich mich damals nämlich: Es war tatsächlich so, als würde ich neben mir stehen, und meinen Körper dabei beobachten, wie er im Begriff ist die schlimmste Tat zu tun, die sich die Menschheit nur vorstellen kann. Eine Tat, für die, wie es immer scheint, niemand Verständnis aufbringen könnte. Und ich selbst hab in dieser Situation nicht mal Verständnis für meinen Körper gehabt, der wie fern gesteuert gerade im Begriff war, diese Tat zu vollbringen. Ich hatte meine Sicht auf diese Tat nicht geändert, in diesem Moment wo ich im Begriff war, diese Tat zu vollbringen. Ich wollte sie nicht tun. Im Gegenteil rief ich mir entsetzt und zutiefst verzweifelt, voller Grauen selbst zu: „Stop! Was tust Du da??? Stop! TU ES NICHT!“ Und das war auch das absolut beängstigendste an dieser ganzen Erfahrung, nämlich dass ich absolut die Kontrolle über meinen Körper verloren hatte. Mein Bewusstsein wusste was richtig und was falsch ist und dachte nicht 1 Sekunde anders als zuvor, dass dies eine absolut unbegehbare Tat ist, die unbegehbarste Tat von allen. Aber es war irgendwie abgetrennt von meinem Körper, der diese totale Bedrohung, die ich innerlich empfand, und diese grauenvolle Panik ausmerzen wollte und meinte den Auslöser für diese Bedrohung erkannt zu haben, um diesen Auslöser nun zu eliminieren. Ich finde das bis heute sehr beunruhigend und frag mich was da los war? Ich nahm meinen Körper wie ferngesteuert wahr und mein Bewusstsein, meine inneren Befehle an meinen Körper hatten keinen Einfluss mehr auf ihn. Aber genau dieses Erlebnis ließ mich meine bisherige Einstellung gegenüber Tätern dieser undenkbarsten aller Taten, nein gegenüber jedem Täter hinterfragen, der die schlimmsten Taten vollbringt. Denn hätte ich diese Tat begangen, dann wäre das eine Tat gewesen, die nicht von meinem Bewusstsein ausgeführt wurde. Denn dieses beobachtete die ganze Zeit, zutiefst verzweifelt, absolut entsetzt, wissend das es absolut falsch ist, was mein Körper da gerade tun will und ich versuchte alles um diesen aufzuhalten. Aber er reagierte nicht. Und ich fragte mich später, wie viele Täter, womöglich in so einem Zustand waren, als sie gerade eine der schlimmsten Taten der Menschheit vollbrachten, wie ich damals? Ich musste daran denken, wieviel Hass ihnen entgegen schlägt, und dies obwohl sie, wenn sie in diesem Zustand waren, wie ich damals, selbst zutiefst verzweifelt sind ob ihrer Tat und sich selbst dafür bestraft und verdammt sehen wollen. Dieses Erlebnis führte dazu, dass ich in Zukunft niemanden für die schlimmsten Taten verurteilte, sondern dass ich immer die Möglichkeit in Betracht ziehe, dass der Täter in genau diesem Zustand war, in dem ich damals war. Dass er nur nicht schaffte, was ich dann letztlich, in letzter Sekunde doch noch schaffte. Aber selbst wenn man schafft, in letzter Sekunde doch wieder die Kontrolle zu übernehmen, so ist man ja trotzdem absolut entsetzt von sich. ich war so verzweifelt und so allein mit dem was ich damals erlebte, weil das auch noch zu einer Zeit geschah, wo man nicht auch nur im entferntesten darüber redete. Das was ich damals erlebte, war noch zu 0% im Bewusstsein der Menschen. Und selbst die, die es heute kennen, vermeiden aber meistens trotzdem die ganze Wahrheit darüber auszusprechen und kleiden diese Wahrheit in verhüllende oder verharmlosende Worte. Ich werde an anderer Stelle dieses Erlebnis mal genauer beschreiben: Denn irgendwie denke ich muss ich es tun, denn auch wenn man schon viel mehr darüber spricht heute, ist es dennoch zu wenig und ich zumindest kenne keinen Fall, wo eine Frau, dass so schilderte, wie ich es erlebte. Weil man sich das einfach nicht traut, aus Angst vor Verurteilung. Und wenn ich mir vorstelle, dass es gerade in diesem Moment vielleicht Frauen gibt, die genau das durchmachen, was ich damals durchmachte, und das Gefühl haben, dass das so schrecklich ist, dass sie es keinem anvertrauen können, so war es bei mir, dann sollte ich hier auf diesem Blog darüber reden.


„Ein Weiser versteht es, die Menschen nach ihrer Menschlichkeit zu schätzen, ein Mittlerer schätzt sie nach ihren Taten und ein Untüchtiger schätzt sie nach ihren Geschenken.“

Lü Bu We

Ich würde mich jedenfalls sehr freuen, wenn sich vielleicht Menschen, mit Hilfe dieses Blogs trauen zu offenbaren. Seien es Pädophile, die nicht zum Täter werden wollen, seien es es Pädophile, die zum Täter wurden und es nie wieder werden wollen. Seien es verzweifelte Pädophile, die immer wieder zu Tätern werden, ohne es zu wollen und die sich gern auch denen anvertrauen wollen würden, vor denen sie sich immer verstecken müssen, in der Hoffnung nicht mehr zum Täter zu werden. Denn wenn ein Pädophiler sich immer nur dem offenbaren kann, der ihn in seinem Trieb unterstützt, wie soll er da jemals die Chance haben diesen Teufelskreis zu durchbrechen? Menschen, die mich nicht verstehen müssen hier nicht lesen. Und ich mach das auch nicht weil ich ja unbedingt gut sein will. Sondern weil ich selbst so viele wirklich krasse Dinge in meinem Leben erlebte, dass ich einfach weiß wie sich sehr viele Dinge anfühlen und was sie bedeuten. Selbst die unter den Pädophilen, die alle Verantwortung für ihre Taten von sich weisen, können gern die Kommentarfunktion nutzen, weil ich finde es immer wichtig miteinander zu reden. (Zu mir sagte mal ein Pädophiler, dass der Begriff heute total falsch gebraucht wird, dass die ursprüngliche Definition der Pädophilie nichts mit Missbrauch von Kindern zu tun hat, aber wie soll man sie sonst nennen? Er sagte auch von sich selbst, er begreife sich als pädophil, aber im ursprünglichen, eigentlichen Sinne des Wortes. Und da fand ich sehr interessant, als er explizit darauf hinwies, und er sagte das mit Tränen in den Augen, dass er Kindern niemals auch nur ein Haar krümmen könnte. Er liebe nichts so sehr wie Kinder. Aber das sei eine absolut unschuldige, heilige Liebe. Er selbst sei ein Kind im Körper eines Erwachsenen und er mg es einfach mit Kindern zusammen Kind zu sein und wies darauf hin, dass es innerhalb der Pädophilie so fiel mehr und aber auch so schöne Dinge gibt, die absolut nichts mit Missbrauch oder Sex zu tun haben. Ich hatte den Eindruck, dass war wirklich einfach ein Mann, der im Grunde innerlich Kind war und auch nicht erwachsen sein wollte. Mir fiel außerdem auf an ihm, dass er ein ungeheurer sensibler, feinfühliger Mensch war. Sehr nah am Wasser gebaut und sehr respektvoll und wertschätzend von Kindern redend. Also ich hatte nicht eine Sekunde Zweifel an dem was er sagte. Und eines kann man mir glauben, ich betrachte mich bestimmt alles andere als gut, weil ich diese Einteilung schon gar nicht mag, dieses Schwarz-Weiß-Denken nicht mag. Wir alle haben alles in uns, die Wahl macht den Unterschied. Und ich hab bis jetzt ein Leben hinter mir, das voll ist von Taten, die die Schwarz_Weiß-Denker verabscheuen. Aber nur so ein Leben kann eine Änderung im Bewusstsein bedeuten. Ich hab mich lange Zeit genau deswegen versteckt, weil ich selbst so viel Verurteilung erfahren habe. Deswegen weiß ich ja auch wie schrecklich dieses Gefühl ist und mittlerweile auch wie unsinnig. Denn wir sind alle Täter. Wenn auch zum Glück nicht alle Täter der schlimmsten Taten. Ich wäre fast jemand gewesen, der die schlimmste, unverständlichste Tat von allen begangen hätte. Und wenn ich an diese schlimmste Zeit meines Lebens zurück denke, dann danke ich wirklich jedes mal Gott dafür, dass ich es in letzter Sekunde abwenden konnte und ich diese Zeit hinter mir habe. Ich bin ebenso dankbar, dass ich bis jetzt geschafft habe, aus allem etwas Positives für mich mitzunehmen. Das worunter ich in meinem Leben mit am meisten zu leiden hatte, war die Verurteilung anderer Menschen. Dies führte mich irgendwann mal zu folgendem Gedankengang, und in gewisser Weise scheint er zu stimmen: „Wenn es Sünde überhaupt gibt, dann ist die einzige Sünde der Menschen vielleicht das Urteil.“


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